„Pfeffer“

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Portionen

„Pfeffer“ 

Sauer eingelegt hatten wir hier noch nicht, umso mehr sind wir dankbar für das geheime Familienrezept mit bessarabischen Wurzeln vom Schwarzen Meer, das über Schwaben nach Hamburg eingewandert ist.
 

Bessaribische Wurzeln selbst sind nun allerdings kein Wurzelgemüse aus dem damaligen Zarenreich, sondern bezeichnet eine Volksgruppe von zunächst 9000 bäuerlichen Familien aus Süddeutschland, die der Zar mit Versprechen auf Land und Eigenständigkeit zur Urbarmachung ans Schwarze Meer geholt hatte. Nach einer 125-jährigen Geschichte folgten die Bessarabiendeutschen dem Aufruf zur Umsiedlung im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes unter dem Motto „Heim ins Reich“ 1940 fast vollständig.

Allein der WikipediaEintrag zu diesem Thema ist schon hochinteressant!

 

Das Rezept zeugt von langen dunklen Wintern, in denen Vitamine rar sind und frisches Gemüse maximal aus Vorratshaltung in der Kellermiete verfügbar ist – oder eben in der Erntezeit konserviert worden ist.

Wie lang die russischen – heute ukrainischen – Winter sind, kann man am Einkaufszettel ablesen:

Kraut (Weißkohl)     2,5 kg
Karotten                   1,5 kg
Zwiebeln                   1,5 kg
Sellerie                      1,3 kg
Petersilienwurzel    1 Pack
Petersilie glatt         1 Bund
Petersilie kraus       1 Bund
Spitzpaprika            5 kg / 70 Stück
Sonnenblumenöl    2 l
Salz                           5 EL

Mit der Küchenmaschine, einem eindrucksvollen Messer und anständigem Arbeitsbrett geht es in die familiäre Produktion durch die großmütterliche Zeitzeugin und deren Tochter, Melanies Mutter.

Zusammengemengt wird in ihrer Babybadewanne und prall gefüllt werden die geputzten Paprika ordentlich mit Zwirn umwickelt in großen Tongefäßen geschichtet.

Das Rezept dringt auf Reinlichkeit und Keimfreiheit für die lange Fermentierung in Salzwasser.

Also sauber arbeiten, den Topf kochend ausspülen / sterilisieren, nach der Einlage den Rand mit Alkohol desinfizieren und zum Schluss das Salz in kochendem Wasser lösen und bedeckt aufgießen. Die gefüllten Paprika mit einem sauberen beschwerten Teller und die Gefäße mit Folie abdecken - in einem kühlen Kellerraum sich selbst überlassen.

Die Erntezeit für Spitzpaprika ist der September - gegessen wird das saure Gemüse ab Weihnachten.

Zu Weihnachten hatte Melanie uns eine schöne vakuumierte Portion aus ihrer Heimat mitgebracht und uns sehr erfreut mit diesem neuen Geschmacks- und Fertigungserlebnis.

Die eigene Herstellung im Lebensmitteleimer fermentiert zum Redaktionsschluss noch in der Garage. Mal sehen, was das wird!

 

September 2022