Tintenfisch in Brotteig – Sylter Not


Zutaten
Tintenfisch in Brotteig – oder Sylter Not
Es waren arme Sylter Matrosen, die auf Fischkuttern Dienst taten und nur die nicht verkäuflichen Reste des Fangs mit nach Hause nehmen durften. Es waren die braven Frauen dieser Matrosen, die daraus diese überlieferte Köstlichkeit schufen.
Damals waren es wesentlich Tintenfische, die so gar nicht gingen - gab es damals doch noch recht wenig griechische Restaurants auf der Insel. Auch mit dem Rezept waren daher die braven Sylterinnen auf sich gestellt und mussten zwangsläufig improvisieren.
Die reinlichen Frauen putzten und wuschen die kleinen Tintenfische (500g) – häuten, Tuben wenden, Innereien entfernen und dicht am Kopf, die Tentakeln abschneiden, den inneren Kranz mit dem Maul entfernen und in 20 Minuten gar kochen. Wegen der Armut benutzten sie hierfür salziges Wasser, das es im nahen Meer im Überfluss gab. Anschließend schnitten sie die Tintenfische in kleine Würfel.
Aus dem kleinen windgepeitschten Garten vor dem Haus wurden dann für das karge Mittagsmahl 200g Zwiebeln ausgegraben und zwei Knoblauchzehen beim Deichvogt geliehen. Der hatte Sinn für exotische Waren und Gewürze. Er bezog diese offensichtlich von griechischen Handelsschiffen, die er immer gern zum Stranden einlud - typisch für die eingesessenen Sylter: Alles Strandräuber!
Ein Tütchen völlig vertrocknetes Thymiankraut gab es dazu und so konnten daheim die Zwiebeln und zwei Knoblauchzehen in etwas Tran (heute: Sonnenblumenöl) angedünstet werden und mit den Tomaten vom Spalier an der windgeschützten Seite des Hauses (1kg häuten und würfeln), zusammen auf dem Torffeuer gedünstet werden. Etwas von dem Pfeffer dazu, dem scharfen Paprika von einem früheren Strandgang und dem Thymian vom Deichvogt, ein Lorbeerblatt und Salz ebenso dazu. Mit den Tintenfischen dabei, nun diese, aus der Not geborene Kreation, (auf dem offenen Herdfeuer) einkochen lassen.
Damals wurde etwas Brotteig von den Matrosenfrauen abgezweigt - wir kaufen ihn, ohne viel über Not und Entbehrung nachzudenken, einfach als Fertigteig (z.B. Blätterteig), oder aus der Tiefkühltruhe oder als Fertigpack mit dem elend langen Haltbarkeitsdatum aus dem Kühlregal. Gut gehen auch Pita-Taschen, die kleinen Brottaschen für den Döner zu Hause oder Pizzateigtaschen - oder direkt die Pizza damit belegen!
Sinnigerweise schmeckt dieses Gebäck auch lauwarm und kalt und ist daher besonders als Willkommensgruss für den nicht immer pünktlichen Matrosen nach langer Fahrt geeignet.
Mai 2006